Trend   –  Strom vom Fußballfeld

Energetische Beinarbeit – Strom vom Fußballfeld

Eine neuartige Technik setzt die kinetische Energie der Fußballer beim Laufen in Elektrizität um.

Wo jeder Schritt zählt

Brasilien ist fußballverrückt. Gespielt wird, wo immer es geht. Auf holprigen Brachen, auf Asphalt, barfuß oder in Flip-Flops. Ohne Licht allerdings kann auch ein Brasilianer nicht kicken. Und Licht ohne Strom, auch das geht nicht. Die Lösung, wenn dieser Strom nicht zuverlässig fließt: Strom vom Feld. Beispielhaft verwirklicht im Stadion Morro da Mineira in der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro: Ein Stadion das schon deshalb ungewöhnlich ist, weil es in einem Armenviertel liegt. Noch ungewöhnlicher, dass die Fußballer, die hier trainieren durch ihre Laufarbeit Strom erzeugen. Unter dem Rasen sind Platten verlegt, die jeden Tritt, jedes Aufprallen des Balls, jeden Sturz in Strom umwandeln. Wie das geht? Genaueres verrät die britische Herstellerfirma Pavegen nicht. Nur so viel, dass die Bodenplatten aus recyceltem Kunststoff durch einen piezoelektrischen Effekt Strom erzeugen, sobald Gewicht auf sie wirkt und sie eindrückt. Piezoelektrik ist laut Wikipedia „die Änderung der elektrischen Polarisation und somit das Auftreten einer elektrischen Spannung an Festkörpern, wenn sie elastisch verformt werden“. Den im Wortsinn laufend erzeugten Strom von Morro da Mineira speichert eine Batterie. Wird der Platz regelmäßig bespielt, reicht das Licht für eine zweistündige Trainingseinheit nach Einbruch der Dunkelheit.

 

Nicht nur auf Rasen 
Das Beispiel aus Rio hat Schule gemacht: Auch in Lagos in Nigeria bringen die schlauen Platten das Flutlicht eines Fußballplatzes zum Leuchten. Potenzial hat die Technik überall da, wo viel Publikumsverkehr herrscht: am Londoner Flughafen zum Beispiel. Dort versorgt sie ein komplettes Terminal mit Strom für die LED-Beleuchtung. Oder im Besucherzentrum der NASA in Cape Canaveral. Bahnhofshallen, belebte Plätze, Gehsteige, Radwege – sie alle haben das Potenzial zum alternativen Kraftwerk. Der Haken: Die stromerzeugenden Platten sind im Vergleich zu anderen Bodenbelägen noch zu teuer.